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Fototipps
Mit dem Aufkommen der digitalen Fotografie ist die Zahl der Eisenbahnfotos, die im Internet zu finden
sind, geradezu explodiert. Während früher jeder Druck auf den Auslöser noch Geld kostete (Filmmaterial und Entwicklungskosten),
so kostet es bei der digitalen Fotografie höchstens noch etwas Speicherplatz, der aber auch immer billiger wird. Das verleitet
dazu, immer sofort den Auslöser zu betätigen, ohne dabei zu überlegen. Im gleichen Masse wie die Quantität der Bahnbilder
im Internet stieg, sank die Qualität der Bilder deshalb in den Keller. Qualitativ hochstehende Eisenbahnbilder im Netz zu
finden, ist heutzutage schon fast eine Kunst geworden. Es scheint tatsächlich Menschen zu geben, die der Meinung sind, man
müsse jedes noch so misslungene Bild im Internet ausstellen.
Doch was zeichnet ein gutes Eisenbahnbild eigentlich aus? Es ist mit Sicherheit auch eine Geschmackssache; nicht jeder versteht
unter einem guten Eisenbahnfoto dasselbe. Doch ich denke, einige Punkte tragen dazu bei, ob ein Eisenbahnfoto als gut oder
schlecht eingestuft wird.
Interessant ist auch, dass fast jeder, der mit der Eisenbahnfotografie beginnt, wieder die gleichen Fehler macht wie
seine Vorgänger. Deshalb möchte ich hier einige Tipps hinterlassen für all jene, die mit der Eisenbahnfotografie beginnen
wollen. Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und soll auch nur ein Leitfaden sein. Schliesslich hat die
Fotografie viel mit Kreativität zu tun und lässt sich nicht in ein Korsett aus strengen Regeln zwängen, schon gar nicht
die Eisenbahnfotografie.
Die Wahl der Kamera
Eine Voraussetzung für gute Eisenbahnfotos ist eine geeignete Kamera. Wer sich ernsthaft mit dem Thema Eisenbahnfotografie
beschäftigen will, wird um die Anschaffung einer Spiegelreflexkamera längerfristig nicht herumkommen. Eine digitale Kompaktkamera
ist zwar handlich und praktisch für die Ferien am Meer, für ambitionierte Amateurfotografen genügt sie hingegen nicht.
Einerseits lassen sich häufig wichtige Einstellparameter wie Verschlusszeit, Blendenöffnung und ISO-Empfindlichkeit nicht
manuell wählen, andererseits haben Kompaktkameras lichtschwache Objektive und die Fotos lassen sich nur in einem komprimierten Bildformat
abspeichern. Ausserdem neigen diese Fotoapparate, vor allem bei schlechten Lichtverhältnissen, schnell zu Bildrauschen und
das Motiv lässt sich nicht durch einen präzisen Sucher, sondern nur über ein "Live-View-Display" anpeilen. "Live-View" bieten
zwar neuerdings auch die digitalen Spiegelreflexkameras; ich finde diese Technologie für die Eisenbahnfotografie jedoch unnötig,
ja sogar unbrauchbar. Der Blick durch den Sucher bietet ein klareres Bild, das nicht durch die Sonne "unsichtbar" gemacht werden
kann, zudem lässt sich die Kamera stabiler halten, wenn sie neben beiden Händen auch noch an der Stirn abgestützt werden kann.
Dazu kommt, dass "Live-View" trotz des Namens nicht ganz live ist, sondern gegenüber dem Blick durch den Sucher der Wirklichkeit
um die eine oder andere Hundertstelsekunde hinterher hinkt. Und bei Zügen, die mit über 100 km/h unterwegs sind, ist für
den Auslösezeitpunkt jede Hundertstelsekunde entscheidend!
Natürlich muss man eine digitale Spiegelreflexkamera auch bedienen können. Aber auf technische Grundlagen der Fotografie möchte
ich an dieser Stelle nicht eingehen. Kenntnisse über das Zusammenspiel von Verschlusszeit, Blendenöffnung, Brennweite und
Lichtempfindlichkeit sind Voraussetzungen für ambitionierte Fotografie. Um diese Kenntnisse zu erwerben, kann ich folgende
Internetseite empfehlen: Fotolehrgang
Foto-Beispiele
Planung des Fotos
Eine Fotostelle sollte sorgfältig ausgesucht werden. Dafür darf man ruhig etwas Zeit investieren! Auf dem Foto rechts
beispielsweise habe ich eine Kurveninnenseite ausgesucht, die immer einen guten Blick auf das Motiv bietet. Ausserdem
hatte ich hier die Sonne im Rücken, um eine gute Ausleuchtung des Motivs zu erreichen. Wichtig war mir bei diesem Bild
auch, mich nicht vollkommen auf den Zug zu konzentrieren, sondern auch das Gewässer rechts, das Dorf im Hintergrund
sowie die abschliessenden Bergketten auf dem Bild zu integrieren. Der Himmel muss unbedingt mit aufs Bild. Eine zu starke
Fokussierung nur auf den Zug mit einer höheren Brennweite wäre hier vollkommen fehl am Platz. |
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Sonne und Licht
Zum Fotografieren braucht es Licht, sonst geht gar nichts. Das stärkste Licht bietet die Sonne. Sie sorgt für kräftige
und brillante Farben und, für die Fotografie von sich bewegenden Motiven nicht ganz unerheblich, für kurze Verschlusszeiten.
Das Motiv wird am besten ausgeleuchtet, wenn man die Sonne im Rücken hat. Sie kann aber auch von der Seite kommen, wenn
dadurch das Hauptmotiv nicht in den Schatten gerät. Aufnahmen direkt gegen die Sonne oder schräg gegen die Sonne (Streiflicht)
können bei tiefstehender Sonne ebenfalls interessante Ergebnisse zur Folge haben. Was aber, wenn die Sonne gar nicht
scheint? Dann liegt es eben am Fotografen, trotzdem noch das Beste aus der Situation heraus zu holen.
Beim Foto rechts übrigens hatte ich die Sonne nicht im Rücken, sondern links von mir. Trotzdem ist die Belichtung gelungen. |
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Bewegungsunschärfe vermeiden
Die Eisenbahnfotografie ist eine dynamische Fotografie. Nur an Bahnhöfen zu fotografieren wäre uninteressant und
unterwegs sind die Züge mit mehr oder weniger hoher Geschwindigkeit unterwegs. Dies erfordert kurze Verschlusszeiten,
um den fahrenden Zug auf dem Bild einfrieren zu können. Nebst der Geschwindigkeit des Zuges spielen in diesem Zusammenhang
auch die Distanz des Fotografen zum Motiv sowie der Winkel eine Rolle. Je näher man beim Motiv ist und je seitlicher man
den Zug fotografiert, desto kürzer muss die Verschlusszeit sein. Als Faustregel kann man sagen: die ungefähre Geschwindigkeit
des Zuges mal zehn ergibt den Nenner der Verschlusszeit. (Beispiel: 100 km/h x 10 = 1000 > Verschlusszeit 1/1000 s.)
Der ICN auf dem Foto rechts war mit über 100 km/h unterwegs. Dank einer Verschlusszeit von 1/800 s wurde eine Bewegungsunschärfe
vermieden. |
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Landschaftsdetails und bahnfremde Objekte mit einbeziehen
Die Eisenbahn kann auf dem Foto auch einmal ihren Platz als Hauptmotiv mit etwas anderem teilen. Voraussetzung dazu
ist, dass man als Fotograf ein Auge hat für all die Dinge im Vorder- und im Hintergrund, die sich anbieten, sie ins
Foto mit ein zu beziehen. Auf dem Foto rechts hat sich der Baum als "Mitmotiv" angeboten. Das Foto wäre bei einem um
wenige Schritte verschobenen Standort auch ohne Baum möglich gewesen, aber der Baum belebt das Bild und gibt zudem eine
Art natürlichen Rahmen um den Zug ab. |
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Der Zug als Nebenmotiv
Nicht immer muss die Eisenbahn gross das Foto ausfüllen. Auf dem Foto rechts beispielsweise beansprucht die Landschaft
die Rolle als Hauptmotiv; der Zug fügt sich harmonisch in die Landschaft mit ein. Eisenbahnfotografie ist häufig auch
Landschaftsfotografie! Ausserdem tragen die langen Schatten und das rötlich-warme Licht der tiefstehenden Sonne dieses
Februarnachmittags das ihre bei an diese stimmungsvolle Aufnahme. |
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Teile des Zugs nicht verdecken
Der Zug als Hauptmotiv sollte möglichst unverdeckt zu sehen sein. Als Anfänger macht man häufig den Fehler, Züge im
Bahnhof vom gleichen Bahnsteig aus abzulichten, an welchem auch der Zug steht. Dadurch wird das Fahrgestell des Zuges
verdeckt und er sieht aus wie ein Luftkissenfahrzeug. Aber auch auf offener Strecke sollten keine Gräser und Büsche, die
entlang des Bahndamms wachsen, das Fahrwerk des Zuges verdecken. Eventuell hilft ein etwas höherer Standort oder eine
Heckenschere.
Der ICN auf dem Foto rechts wurde vom gegenüberliegenden Bahnsteig aus fotografiert, um das Fahrgestell unverdeckt
im Bild zu haben. |
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Kamera gerade halten
Ein Bild, auf dem Fahrleitungsmasten schief stehen oder ein Gebäude plötzlich windschief in der Landschaft steht,
macht keinen besonders professionellen Eindruck. Deshalb lohnt es sich, beim Fotografieren auf Hilfen wie Masten und
Gebäude zu achten, um den Fotoapparat auszurichten. Gegebenenfalls kann die Schräglage nachträglich am Computer korrigiert
werden, was aber zu einem Bildinhaltsverlust führt, weil die Ränder danach beschnitten werden müssen. Deshalb vor Ort
lieber einen etwas grösseren Bildausschnitt wählen! Nicht vermeidbar ist allerdings ein perspektivischer Effekt, der bei
kleinen Brennweiten und aufwärts oder abwärts gerichtetem Kamerawinkel mit senkrechten Kanten entsteht, die gegen oben
zusammenlaufen. Auf dem Foto rechts ist dieser Effekt bei den Schlossmauern zu erkennen.
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Mut zum Risiko
Immer nur Fotos machen mit der Sonne im Rücken? Nein, denn gerade durch das gekonnte Brechen fotografischer Regeln
entstehen immer wieder besondere Bilder, die zu den wertvollsten Stücken einer Sammlung werden können. Es ist also angesagt,
auch einmal in eigentlich aussichtslosen oder zumindest sehr schwierigen Lichtsituationen den Auslöser zu betätigen. Das
Foto rechts war ein "Notschuss", der dank der Wirkung des Streiflichtes dann allerdings zum stimmungsvollen Hammerfoto wurde!
Mut braucht es allerdings auch, um die missratenen Bilder, die bei solchen Versuchen oft entstehen, einfach zu löschen!
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Spezielle Stimmungen einfangen
Spezielle Stimmungen fängt man ein, wenn das Wetter oder das Licht es eben anbieten. Warum nicht einmal ein Eisenbahnbild
während eines Schneesturms? Oder bei sintfluartigem Regen? Die tiefstehende Sonne bietet oft die Möglichkeit von stimmungsvollen
Gegenlicht- oder Streiflichtaufnahmen. Auf dem Bild rechts ist der Kontrastunterschied eines frühen Sommermorgens in den
Bergen zu sehen: Während sich die Berggipfel bereits sonnen, liegt der Talkessel mit der Bahnstrecke noch vollkommen im
Schatten.
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Gewagte Perspektiven
Es muss ja nicht immer ein Zug auf dem Foto sein. Auch die Darstellung von Bahnanlagen kann schon sehr interessant
sein, wenn das Licht stimmt. Warum nicht einmal die Ansicht des Bahntrassees aus der Sicht eines Frosches wie auf dem
Foto rechts? Und wenn sich dann noch die Fahrleitungsmasten auf der blankgeschliffenen Schienenoberkante spiegeln, ist
die Stimmung perfekt! Aber Achtung: Die Nachahmung dieser Perspektive ist aus Sicherheitsgründen nur unmittelbar neben
einem beschrankten Bahnübergang zu empfehlen!
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Nachtfotos
Nachts sind alle Züge grau! Oder doch nicht? Nun ja, jedenfalls gelingt es in der Nacht immer wieder, spezielle Stimmungen
einzufangen, wie sie tagsüber kaum angetroffen werden können. Voraussetzung für gute Nachtfotos ist ein Stativ und eine
Kamera, die bei dunklen Flächen nicht zu Bildrauschen neigt. Der Blitz bleibt bei Nachtaufnahmen eingeklappt und der
Auslöser wird via Fernauslösung oder Selbstauslösung betätigt. Die Verschlusszeit liegt dabei im Sekundenbereich (je nach
Licht und Blendenöffnung sind es bei mir bis 8 Sekunden). So kann dann kaum mehr was schiefgehen!
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So sollte es nicht sein!
So, ich hoffe, ich konnte Ihnen mit diesen Foto-Beispielen ein paar Anregungen und Tipps geben für die Umsetzung abwechslungsreicher
Eisenbahnfotografie. Doch weil man aus den Fehlern anderer auch besonders gut lernen kann, habe ich hier noch ein paar besonders
schlechte Beispiele aus den Tiefen meines Fotoarchivs geangelt, die meist aus den Anfängen meiner Eisenbahnfotografie-Leidenschaft
stammen.
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Ein Foto quer über den Bahnsteig: Das Fahrwerk ist verdeckt und der Mast mit der Ortstafel verdeckt zudem Teile
der Lokomotive. |
Sehr schlechte Lichtsituation: die Front des Zuges ist komplett im Schatten. |
Die Seite des Zuges ist im Schatten, zudem wird die Front des Steuer- wagens genau vom Oberleitungsmast verdeckt. Schade
um das nicht mehr wiederholbare Motiv! |
Klassisches Beispiel von Bewegungs- unschärfe durch zu lange Verschluss- zeit! |
Sollten Ihre Eisenbahnfotos ähnlich aussehen wie die vier Beispiele oben, dann verzweifeln Sie nicht! Werfen Sie lieber
einen Blick in meine Best-Pics-Galerie und überzeugen Sie sich davon, dass jemand, der einmal schlechte Eisenbahnfotos
machte, irgendwann trotzdem noch zu höherer Qualität finden kann!
Nachbearbeitung am Computer
Zum Schluss noch ein paar Anmerkungen zur Bildbearbeitung am PC. Die digitale Fotografie bietet die Möglichkeit, die erzielten
Bilder nachträglich am Computer zu bearbeiten. Hierzu gibt es unzählige Bildbearbeitungssoftware auf dem Markt. Es gibt
durchaus sinnvolle Bearbeitungsschritte, die mit solchen Programmen möglich sind, wie zum Beispiel eine Rauschunterdrückung,
eine Belichtungskorrektur oder das Geraderücken schiefer Bilder. Vom "Wegretouchieren" fester Gegenstände distanziere ich
mich aber deutlich. Meiner Meinung nach ist Eisenbahnfotografie das Abbild einer Situation in der Realität. Wenn nun aber
beispielsweise eine Hochspannungsleitung aus einem Eisenbahnfoto retouchiert wird, sieht dieses Bild zwar schöner aus, entspricht
aber nicht mehr der Realität. Die Fotografie verliert deshalb an Glaubwürdigkeit. Aus diesem Grund finden Sie auf meiner
Homepage keine Fotos, von denen stationäre Anlagen wegretouchiert wurden.
Etwas anders sieht es aus, wenn bewegliche Objekte wegretouchiert werden. Wenn einem eine Person ins Bild "latscht",
finde ich es legitim, diese aus dem Bild zu schneiden; denn wäre der Zug fünf Minuten früher oder später gekommen, wäre
der Störenfried nicht im Bild gewesen.
Auch perspektivische Verzerrungen wie beispielsweise die oben erwähnten stürzenden Linien (ICN vor Schloss) können mit
entsprechenden Programmen "entzerrt" werden. Dabei besteht allerdings die Gefahr, dass das Bild verzerrt wird und nach
der Bearbeitung noch unnatürlicher aussieht als zuvor. Deshalb sei es jedem selber überlassen, was er mit seinen Bildern
in der Nachbearbeitung alles anstellen will...
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