Stillgelegte Bahnstrecken

Otelfingen - Schwenkelberg - Niederglatt

"Schipkapass-Bahn"

Streckenkarte
Länge: 13 km
Strecke eröffnet: 1. Oktober 1877 durch die NOB (Schweizerische Nordostbahn)
am 1. Januar 1902 von den SBB übernommen
Spurbreite: 1435 mm
Elektrifizierung: Die Strecke wurde nie elektrifiziert.
Personenverkehr eingestellt: 1937
Güterverkehr eingestellt: 1968
Strecke abgebrochen: 1969 (oberhalb ehem. Tanklager Otelfingen bis Bösbuck)

Geschichte


Im 19. Jahrhundert herrschte zwischen den verschiedenen Bahngesellschaften in der Schweiz ein erbitterter Konkurrenzkampf. Die Schweizerische Nationalbahn (SNB) wollte eine Verbindungslinie von der Ost- in die Westschweiz bauen, die kürzer sein sollte als die bestehenden Linien. Gemäss damaligem Eisenbahngesetz musste der Güterverkehr immer über die kürzeste bestehende Strecke geführt werden, wodurch sich die SNB grosse Gewinne versprach.
Die damals allmächtige und im Kanton Zürich allgegenwärtige Schweizerische Nordostbahn (NOB) liess sich dies allerdings nicht einfach gefallen. Sie beantragte eine Konzession zum Bau und Betrieb einer Bahnstrecke Bülach - Baden, die die geplante Furttalbahn der SNB konkurrenzieren sollte. Die geplante Strecke der NOB sollte kürzer werden als jene der SNB. Damit wollte die NOB den Güterverkehr bei sich behalten und der SNB den Wind aus den Segeln nehmen.
Der Coup gelang und schliesslich verfügte die NOB über die kürzeste Bahnstrecke zwischen Winterthur und Baden. Teil davon war die hier besprochene Strecke über den Schwenkelberg. Mit der SNB hingegen ging es von diesem Tag an bergab, die Talfahrt endete 1880 im Konkurs. Ausgerechnet die NOB übernahm die Konkursmasse und dies zu einem Spottpreis.
Nachdem die NOB auch Besitzerin der einstigen SNB-Strecken war, wurde die Schipkapassstrecke eigentlich bereits wieder überflüssig. Sie hatte ihre Aufgabe, den Verlust des Güterverkehrs an die SNB zu verhindern erfüllt und wegen der grossen Steigung über den Schwenkelberg war sie nicht besonders attraktiv. Zudem entwickelte sich der Personenverkehr miserabel. Es existierte mit Buchs auch nur ein Bahnhof zwischen den Abzweigebahnhöfen Otelfingen und Niederglatt. 1922 kam noch die Haltestelle Oberhasli dazu. Auch nach der Übernahme der Strecke durch die SBB wurden die Zahlen nicht besser. Mehrere Versuche seitens der SBB, den Betrieb auf der defizitären Strecke einstellen zu können, scheiterten, bis 1936 ein solches Gesuch doch noch bewilligt wurde. Am 17. Januar 1937 verkehrte der letzte Zug.

1956 reichte die Gemeinde Buchs bei den SBB das Gesuch ein, die Bahnanlagen auf ihrem Gemeindegebiet zugunsten einer besseren Entwicklung der Wohnquartiere zu entfernen. Das Gesuch wurde im Dezember 1968 von der Vereinigten Bundesversammlung bewilligt. Umgehend wurde mit dem Abbruch des knapp 4 km langen Mittelstückteils bei Buchs begonnen. Übrig geblieben sind das Stationsgebäude Buchs sowie Teile des Bahndamms.

Eine Frage muss noch geklärt werden: Weshalb bekam diese Bahnstrecke im umgangssprachlichen Gebrauch den Namen Schipkapass-Bahn? Nun, zur Zeit der Eröffnung der Strecke war der bulgarische Schipkapass umkämpft, sein Name fiel oft in der Presse. Wahrscheinlich kam so die Bahn zu ihrem Übernamen. Gelgentlich taucht auch die Schreibweise Schiebkapass-Bahn auf. Eine Andeutung auf die Tatsache, dass bei schweren Güterzügen oft eine Schiebelok vonnöten war.

Bilder des heutigen Zustands

Am 4. August 2007 war ich zwischen Otelfingen und Niederglatt unterwegs, um die Überbleibsel der Bahnanlagen zu fotografieren. Da auf weiten Teilen der Strecke die überwucherten Schienen noch liegen, kamen viele nachdenkliche Bilder zustande.

So, das war's!

"Die gute alte Bülach-Bahn
Hat treulich ihre Pflicht getan,
Wir fahren heut aus der Bäderstadt
Zum letzten Mal nach Niederglatt."

(Spruch an einem Wagen des letzten fahrplanmässigen Zuges)

In diesem Sinne: Ruhe in Frieden, Schipkapass-Bahn!


Weitere Informationen und historisches Bildmaterial zur Schipkapass-Bahn finden Sie auf dieser externen Homepage

Statistik