Technische Daten
Länge: 4,5km;
Überwundene Höhenmeter: 1659m;
Spurweite: 800mm
Betriebseröffnung: 4. Juni 1889;
Traktionsart: elektrisch seit 1937, 1550V DC
Maximale Neigung: 48%;
Zahnradsystem: Locher
Betriebszeiten: ca. Anfang Mai bis Mitte November
Der 2132m hohe Pilatus südlich von Luzern ist seit jeher ein sagenumwobener Berg. Seit dem Mittelalter ranken sich
Legenden und Spukgeschichten um ihn. Vor allem glaubten die Menschen, in den kahlen Klüften des Berges würden Drachen hausen.
Seit der Eröffnung der Rigibahn im Jahre 1871 gab es immer wieder Pläne, auch den Pilatus mit einer Bahn zu erschliessen.
Doch die Hänge des Pilatus sind ungewöhnlich steil und eine erste Idee, eine Zahnradbahn nach System Riggenbach von Alpnachstad
in weitem Bogen über Lütoldsmatt, Fräkmünt und die Kilchsteine auf den Gipfel zu führen, scheiterte an den hohen Kosten.
1885 schliesslich wurde von Eduard Locher und Eduard Guyer-Freuler ein Projekt vorgelegt, das seiner Zeit weit voraus war.
Lochers Plan sah eine Einschienenbahn vor, die auf Stelzen von Alpnachstad über Ämsigen, die Mattalp und die Eselwand
auf den Gipfel hätte schweben sollen. Doch dieses revolutionäre Projekt wurde nicht verwirklicht. Schliesslich entstand
schon fast eine konventionelle Zahnradbahn auf Schienen mit einer Zahnstange in der Mitte. Geblieben von den gewagten ursprünglichen
Plänen sind die Linienführung sowie die Zahnstange mit horizontalem Zahneingriff. Durch die enorme Steilheit der geplanten
Linienführung wäre eine herkömmliche Zahnstange mit vertikalem Zahneingriff nicht in Frage gekommen, da bei diesen Systemen
ab einer Steilheit von 25% die Gefahr des Aufsteigens des Zahnrades auf der Zahnstange besteht, was zu einer Entgleisung
des Fahrzeuges führen würde. Die von Locher entworfene Zahnstange, die von zwei horizontal eingreifenden Zahnrädern quasi
"eingeklemmt" wird, birgt dieses Risiko nicht. Einiges Kopfzerbrechen dürften Locher die Weichen bereitet haben.
Weichen im herkömmlichen Sinn sind bei der Zahnstange System Locher nämlich nicht möglich. So wird in der Talstation mit Schiebebühnen
gearbeitet, in der Ausweichstation Ämsigen kommen Schiebeweichen zum Einsatz. In der Bergstation allerdings war dies aus Platzgründen
nicht möglich, dort gehen die Weichen gar in die dritte Dimension: Um den Fahrweg umzustellen, müssen die Weichen um ihre eigene
Achse gedreht werden!
Im Jahre 1886 wurde mit dem Bau der Bahn begonnen und trotz des teils unwegsamen Geländes war die gesamte Strecke bis
Pilatus Kulm bereits nach 400 Arbeitstagen fertig gestellt. Der Erfolg der Bahn war von Anfang an überwältigend. Spezielle von Locher
entwickelte Dampftriebwagen beförderten die Passagiere auf den Gipfel.
1937 wurde die Strecke elektrifiziert und es wurden elektrische Triebwagen beschafft, die in ihrem Aufbau Standseilbahnwagen
glichen. Noch heute verrichten diese Fahrzeuge zuverlässig ihren Dienst und machen trotz ihres hohen Alters nach wie vor
einen recht modernen Eindruck.
Fotogalerie Pilatusbahn
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