Stillgelegte Bahnstrecken

Arth am See - Goldau

Streckenkarte
Länge: 2,6 km
Strecke eröffnet: 4. Juni 1875 durch die ARB (Arth-Rigi-Bahn)
Spurweite: 1435 mm
Elektrifizierung: 1. Januar 1906 mit 540V DC
Personenverkehr eingestellt: 1959
Güterverkehr eingestellt: 1959
Strecke abgebrochen: unmittelbar nach Betriebseinstellung

Geschichte


1875, als die Zahnradbahn auf die Rigi eröffnet wurde, existierte die Gotthardbahn noch nicht und somit gab es auch den heute gebräuchlichen Bahnhof Arth-Goldau noch nicht. Die Besucher der Bergbahn konnten also nicht mit dem Zug anreisen, sondern kamen hauptsächlich per Schiff über den Zuger See. Klar, dass die Bergbahn ihre Fahrgäste in Arth direkt am Ufer des Sees abholen wollte. Von Arth bis Oberarth war die Strecke von Anfang an als Adhäsionsstrecke ausgelegt, ab Oberarth stieg sie mit bis zu 80 Promille an, was eine Zahnstange nach System Riggenbach erforderte. Von der Position des heutigen Bahnhofs Arth-Goldau führte die Strecke nahtlos weiter bergwärts.
1882 änderte sich die Situation schlagartig, als die Gotthardbahn eröffnet wurde. Anders als von den Arthern erhofft, errichtete diese allerdings keine Bahnstation in Arth oder Oberarth, um danach das damals noch sehr unwirtliche Bergsturzgebiet von Goldau in einem Tunnel zu unterqueren, wie es ursprünglich geplant war. Stattdessen entstand in Goldau in damals sehr dünn besiedeltem Gebiet, der Bahnhof Arth-Goldau. Dies erwies sich für die ARB als ungünstig, lagen doch ihre Depotanlagen und Werkstätten in Oberarth. Um den Anschluss nicht zu verpassen, musste die Bahn ihre Betriebszentrale zwangsbedingt nach Goldau verlegen, denn die meisten Passagiere reisten nun per Gotthardbahn an und nicht mehr per Schiff. Aus betrieblichen Gründen wurde der Abschnitt Arth - Goldau ganz auf eine Adhäsionsstrecke umgebaut. Dies erforderte an einigen Orten die Absenkung der Trasse, um die Steigung zwischen Oberarth und Goldau zu mässigen. Unter anderem musste der Boden im Mühlefluh-Tunnel abgesenkt werden, was zu der noch heute auffälligen Höhe des Tunnels führte.
Mit der Errichtung der Bahnstrecke Zug - Arth-Goldau änderte sich die betriebliche Situation erneut. Die Gotthardbahn errichtete ein Bahnhofsgebäude in Keillage und die Talbahn der ARB endete fortan auf dessen Bahnhofplatz. Für die Bergbahn auf die Rigi wurde derweil der charakteristische Hochbahnhof errichtet, welcher noch heute quer über den SBB-Gleisen liegt und der ab 1897 Ausgangspunkt war für die Zahnradbahn auf die Rigi. Von nun an gab es auch keine direkten Personenwagen mehr von Arth am See bis Rigi Kulm.
Da die überwiegende Mehrzahl der Fahrgäste der ARB ihre Züge nun in Goldau bestiegen, war die Verbindung von Arth am See bis Goldau fortan schlecht frequentiert. Sie wurde vor allem noch von Einheimischen als Nahverkehrsmittel benutzt. Zwar wurde die Bahn 1906 noch elektrifiziert, als jedoch das Rollmaterial in den 1950er Jahren dermassen überaltert war, dass es hätte ersetzt werden müssen, wurde die Bahnstrecke 1959 aufgegeben und durch einen Busbetrieb ersetzt.
Noch eine kleine Anekdote am Rande: Bei ihrer letzten Fahrt am 31. August 1959 hatten einige Lausbuben das Gleis der Bahn zwischen Oberarth und Goldau mit Schmierfett eingerieben. Dies führte dazu, dass die Räder der Bahn auf dem schmierigen Gleis zu schleudern begannen und der Zug nicht mehr vom Fleck kam. In der Angst, das alte Tram würde auf seiner letzten Fahrt noch in seine Einzelteile zerfallen, verliessen die zahlreichen Fahrgäste fluchtartig das Fahrzeug. Der Tramführer allerdings liess nichts unversucht und fuhr ein ganzes Stück zurück, um Anlauf zu holen und überfuhr schliesslich das schmierige Gleisstück in hohem Tempo, um wenigstens die leere Bahn noch an ihren Bestimmungsort zu bringen.

Bilder des heutigen Zustands

Von den Gleisanlagen ist inzwischen natürlich nichts mehr zu sehen, jedoch blieb der Mühlefluhtunnel erhalten und dient, wie das restliche ehemalige Trassee, als Fuss- und Radweg. Am 31. Juli 2012 war ich unterwegs, um die ehemalige Bahnstrecke abzulaufen.



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